Leukämiehilfe Passau e.V.


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THERAPIE

LEUKÄMIE

Therapiemöglichkeiten bei akuter Leukämie


Chemotherapie
In der Regel verlaufen akute Leukämien rasch und bedürfen daher einer zügigen Behandlung. Gerade im hohen Erwachsenenalter werden zuweilen auch schleichende Verlaufsformen beobachtet, insbesondere bei Leukämien, die sich aus myelodysplastischen Syndromen entwickeln.

Die Behandlung der akuten Leukämien ist für die Patienten belastend. Sie benötigen großes Vertrauen zu dem Behandlungsteam sowie die Unterstützung ihrer Familie und Umgebung. Im Mittelpunkt der Behandlung steht bei den akuten Leukämien weiterhin eine
Chemotherapie. Als Chemotherapie bezeichnet man Medikamente, die in der Lage sind Leukämiezellen abzutöten. Diese Medikamente werden auch Zytostatika genannt. Um einen optimalen Effekt in die Leukämiezellen zu erzielen ist in der Regel eine Kombination verschiedener Medikamente notwendig. Die Chemotherapie ist bei den verschiedenen Leukämieuntergruppen zum Teil sehr unterschiedlich. Bei manchen Leukämieformen kommen zusätzlich spezifische Medikamente zum Einsatz, die in der Lage sind, einen ganz speziellen Wachstumsweg der Leukämiezellen zu unterdrücken (Imatinib bei philadelphiachromosom-positiver akuter lymphatischer Leukämie) oder es werden sogar vitaminähnliche Stoffe eingesetzt (Vitamin-A-Säure-Derivate bei der akuten myeloischen Leukämie, Subtyp M3).

Ziel der chemotherapeutischen Behandlung ist im 1. Schritt die komplette Beseitigung der Leukämiezellen
( Induktionschemotherapie mit Erreichen einer kompletten Remission ). Aus vielfältigen Untersuchungen ist bekannt, dass auch bei diesen Patienten eine erhebliche Rückfallgefährdung besteht. Daher schließen sich an die Eingangstherapie in der Regel weitere Chemotherapieabschnitte an, die der Stabilisierung der Remission ( konsolidierende Therapie ) dienen. Bei manchen Leukämieformen haben sich sogar Erhaltungstherapien, die in Einzelblöcken über Jahre angewandt werden, bewährt.

Leider sind die Zytostatika in ihrer Wirkung nicht absolut spezifisch für die Leukämiezellen. Daneben werden auch gesunde Körperzellen geschädigt. Die
Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt, die Blutbildung und das Haarwachstum. Im Vordergrund steht dabei die Unterdrückung der normalen Blutbildung. Hier wird durch starke Verminderung der weißen Blutkörperchen (Neutropenie) eine erhöhte Infektgefährdung verursacht. Vielfältige Maßnahmen dienen daher der Vorbeugung, der Früherkennung sowie der Behandlung von infektiologischen Komplikationen. Ihr Behandlungsteam wird mit Ihnen intensiv spezielle Verhaltensmaßnahmen zur Verminderung des Infektionsrisikos besprechen. Wichtig ist auch die zuverlässige Einnahme der verordneten Medikamente. Eine große Bedeutung wird auf die Körperpflege und Mundhygiene gelegt. Hierzu erhalten die Patientin in der Regel eine umfangreiche Aufklärung über Verhaltensregeln. Häufig werden die Patienten in bestimmten Zimmern mit einer Umkehrisolation untergebracht, hierdurch soll das Risiko für einen Kontakt infektiösen Keimen vermindert werden.

Für die Zeit der Knochenmarkunterdrückung wird in der Regel eine keimarme Ernährung verordnet. Sollte während der Abwehrschwäche in der ambulanten Behandlungsphase Fieber auftreten, handelt es sich wahrscheinlich um ein Warnsignal für eine möglicherweise gefährliche Infektion. Eine umgehende Kontaktaufnahme mit dem Behandlungszentrum wird empfohlen.Weitere Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Entzündungen der Mund- und Darmschleimhaut sowie Haarausfall. Übelkeit und Erbrechen sind heute durch unterstützende Medikamente in der Regel gut beherrschbar, der Haarausfall bildet sich in der Regel nach wenigen Monaten vollständig zurück. Die Chemotherapie führt zur Unterdrückung der normalen Blutbildung und somit zu einer Verstärkung der in der Regel vorliegenden Blutarmut (Anämie) und Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie). Regelmäßig werden für einen Zeitraum die Transfusionen von roten Blutkörperchen und Blutplättchen notwendig.

In den meisten Fällen werden die Zytostatika auf dem Blutweg appliziert. Um Gabe der Medikamente in der aktiven Behandlungsphase ebenso wie die Blutentnahme zu erleichtern werden in der Regel zentrale Blutzugänge eingepflanzt. Diese ermöglichen auch, falls notwendig, eine vorübergehend künstliche Ernährung.

Weitere spezielle Behandlungsverfahren

Strahlentherapie:
Bei der akuten lymphatischen Leukämie besteht die Gefahr, dass Leukämiezellen das Gehirn befallen. Hier ist die chemotherapeutische Behandlung nicht ausreichend. Daher erfolgt in der Regel auch bei Patienten ohne nachgewiesenen Hirnbefall eine vorbeugende Bestrahlung des Gehirns. Zudem können insbesondere bei akuten T-lymphoblastischen Leukämien Weichteiltumore im Lungenzwischenraum (Mediastinum) auftreten, hier erfolgt in der Regel ebenfalls eine vorübergehende strahlentherapeutische Behandlung.

Stammzelltransplantation:
Ziel dieser Therapie ist es, das Erkrankte durch gesundes Knochenmark zu ersetzen. Unterschieden wird eine
autologe von einer allogenen Stammzelltransplantation, bei der die Stammzellen von einer anderen Person (Spender) entnommen werden.
Bei der
autologen Stammzelltransplantation werden dem Patienten eigene Stammzellen entnommen und sofort oder mit Verzögerung für eine Stammzelltrans-plantation verwendet. In der Regel erhalten die Patienten hierfür primär eine Chemotherapie (Mobilisierungschemotherapie), die in der Lage ist Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut frei zusetzen. Finden sich genug Stammzellen im peripheren Blut werden die Stammzellen durch eine Zentrifuge abgeschöpft und anschließend eingefroren ( kryokonserviert ). Manchmal sind Sammlungen über mehrere Tage notwendig.

Für die
allogene Transplantation werden von passenden Spendern mit verträglichem Gewebstyp ( HLA-Typ ) Stammzellen übertragen. Die Suche nach einem allogenen Stammzellspender berücksichtigt erst die Geschwister und Eltern des Patienten. Findet sich kein passender Spender besteht die Möglichkeit einer Fremdspendersuche einzuleiten. Aufgrund weltweiter umfangreicher Spenderdateien ist es heute möglich bis zu 70 % für einen Patienten aus unserer Region einen passenden Fremdspender zu finden. Grundsätzlich bestehen zwei Möglichkeiten für eine Stammzellgewinnung:

1. Knochenmarkspende und 2. Blutstammzellspende.

In der Regel wird heute eine Blutstammzellspende favorisiert. Hier erhält der passende Spender einen blutbildenden Wachstumsfaktor (G-CSF), der Stammzellen ins periphere Blut mobilisiert. Diese können bei ausreichender Zahl abgeschöpft werden (Leukapherese).
Die Transplantation mit fremden Stammzellen (allogen) ist in der Regel sehr viel komplexer als das autologe Transplantationsverfahren. Vorteil für den Patienten ist dass mit dem neuen Immunsystem durch einen sogenannten „Transplantat gegen Leukämie Effekt“ der Heilungsprozess gefördert wird. Gleichzeitig kann es aber durch das neue Immunsystem zu einer lebensgefährlichen Abstoßungsreaktion
( GvHD ) kommen. Zur Vorbeugung der Abstoßungsreaktion ist eine medikamentöse Vorbeugung notwendig.Bei der allogenen Transplantation unterscheidet man je nach Vorbehandlung, die auf Abtötung Leukämiezellen ab erzielt, eine Standardkonditionierung (in der Regel Chemotherapie und Ganzkörperbestrahlung), von einer dosisreduzierten Konditionierung, die nur darauf abzielt, das alte Immunsystem zu unterdrücken und deshalb auch wesentlich weniger belastend ist und auch für ältere Patienten als Transplantationsverfahren in Frage kommt.

Bilder:

Entnahme von Knochenmark bei einem Fremdspender für eine allogene Knochenmarktransplantation

Akute Leukämie:
Nachweis von Auer-Stäbchen, typisch für AML

Leukämiezellen (Blasten) im peripheren Blut:
Unreife akute Leukämie



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